Neuro-Motorische Therapie in der Pädiatrie (NMT) nach Renata Horst

Kinder- und Säuglingstherapie

Entwicklung und Kindheit: vom Saugen zur Reife

Kursbeschreibung

Der Kinderkurs in der Therapie nach N.A.P. vermittelt dem Therapeuten das Wissen, welche Körperstruktur für bestimmte Aktivitäten (z.B. gehen, greifen und stützen) wie funktionieren müssen. Unter der aktiven Handlung des Patienten, kann der Therapeut einen gezielten Input geben, um das motorische Lernen zu fördern. Als Grundlage dient das Wissen über die Biomechanik und neurophysiologische Prinzipien. Was sagen uns Meilen- und Grenzsteine in der Ontogenese? Warum ist die Stützaktivität oft bei Säuglingen verzögert ausgeprägt? Spezielle N.A.P. Techniken werden erlernt, in denen der Therapeut als Fixierung der Biomechanik dient, während das Kind aktiv eine sinnvolle Aktivität ausführt.

Kursinhalte

Modul I – Neurophysiologie, Entwicklung & Orofaziale Funktionen

25 UE (Grundlagenmodul)

  1. Motorisches Lernen & Neurophysiologie
    • Motorische Lernprinzipien, Variabilität, aktive Reorganisation
    • Sensomotorische Integration in der frühen Kindheit / was bedeutet basale Stimulation
    • Vegetatives & limbisches System, Regulation & Motivation / Handling, Tragen, Lagern und Auswirkungen auf die Regulation
    • Rolle der Zunge im autonomen Nervensystem (N. Vagus)
  2. Entwicklung, Meilensteine & Grenzsteine
    • Normale Entwicklung im 1. Lebensjahr / Ontogenese, von der Horizontalen in die Vertikalisierung
    • Grenzsteine und frühe Warnsignale / Abweichungen in der Ontogenese erkennen
    • Haltung – Atmung – Schlucken: funktionelle Zusammenhänge / effektives Stillen und Trinken erkennen und begleiten
  3. Biomechanik & Orofaziale Entwicklung
    • Atmung – Kopfkontrolle – Zungenlage
    • Zungenruhelage, Mundatmung, Orofaziale Dysfunktion, Mundschluss
    • Gebissentwicklung & funktionelle Konsequenzen (offener-/Kreuzbiss)
  4. Orofaziale Funktionen & Schluckphysiologie
    • Atmen – Saugen – Schlucken, Zwerchfell
    • Schluckmuster, Koordinationsstörungen, Sensitivität
    • Einfluss auf globale Motorik & Stabilität
  5. Neuroorthopädische Störungsbilder
    • ICP, Ataxie, spastische Parese, Athetosen, KISS, Plagiocephalie, Torticollis, SHT, Überstreckung, Dysregulation
    • Kompensationen und Entscheidungspfade im N.A.P.®-Modell
  6. Kopfkontrolle & Bewegungsübergänge
    • Fazilitation & aktive Übergänge, posturale Kontrolle
    • Einfluss orofazialer Funktionen auf Dynamik & Haltung
  7. Behandlung kindlicher Strukturen
    • Kopfgelenke, CTÜ, BWS, obere Extremitäten
    • Kiefergelenk, Hyoid, suprahyoidale Muskulatur, craniale Basis
  8. Diagnostik & klinische Hypothesenbildung
    • Anamnese, Gebissentwicklung, funktionelle Tests
    • Mustererkennung & N.A.P.®-Hypothesenbildung
  9. Myofunktionelle Therapie & Elternanleitung
    • Funktionsorientierte Übungen nach Bewegungsanalyse
    • Integration in Alltag & Spiel
    • Videotutorials für Eltern & Therapeut:innen

Modul II – Funktionelle Analyse, Assessments & N.A.P.-basierte Interventionen

25 UE

  1. Funktionelle Analyse & Clinical Reasoning nach N.A.P.®
    • Aktivitätsanalyse: von der Hypothese zum Therapieziel zur Förderung des motorischen Lernens
    • Ableitung relevanter Funktionsketten (Fußstabilität – Beckenaufrichtung, Zwerchfellatmung)
    • Enriched Environment als Therapieprinzip in der Kindertherapie
    • Partizipations- und Aktivitätsziele nach ICF (Kind, Familie, Umfeld)
  2. Assessments in der Kindertherapie
    • Motorische Assessments: z. B. GMFCS, GMFM, HINE, TIMP
    • Posturale Kontrolle (reaktive, präaktive und dynamische Stabilität und Systeme für Gleichgewicht): geeignete Assessments
    • MAS – Validität, Limitationen und klinischer Einsatz bei Kindern
    • Dokumentation, Verlaufsbeurteilung & Zielüberprüfung nach ICF
  3. Interventionen nach dem N.A.P.®-Modell
    • Ableitung individueller Therapieziele und Strategien aus den klinischen Befunden
    • Förderung, Orientierung, Lastübernahme, Reorganisation
    • Bewegungsübergänge, Mobilität, Gleichgewicht, Stand–Gang
    • Einbindung von Atmung und Haltung in sinnvolle Aktivitäten
  4. Therapie komplexer Störungsbilder
    • ICP: posturale Kontrolle, Fortbewegungsstrategien, Alltagstransfer
    • Ataxie: Variabilität, sensorische Sicherheit, Rhythmus, Dosierung
    • Spastische Parese: Dosierung, aktives Dehnen, Kraftausdauer, kardiopulmonales Training
    • SHT: multisensorische Integration, Reizdosierung, vegetative Regulation
    • Entwicklungsprofile & Therapieprogression: Was ist der „nächste sinnvolle Schritt“? (fordern und fördern für Partizipation und Teilhabe)
  5. Elterncoaching & Alltagstransfer
    • Umsetzung von Therapieinhalten in Alltagssituationen (Tragen, Sitzen, Essen, Spielen)
    • Anleitung, Dosierung, Hausaufgabenkonzepte
    • Ressourcenorientierte Zusammenarbeit mit Eltern und Betreuungssystemen
    • sinnvolle Hilfsmittel
  6. Manualtherapeutische Techniken im Kontext der Funktion
    • spezifische Herstellung der erforderlichen biomechanischen Situation: Fuß, Becken, TLÜ
    • Verknüpfung von Biomechanik und Willkürmotorik
    • funktionelle Einbettung: biomechanische Voraussetzungen herstellen, um propriozeptive Rückmeldung als Startpunkt für Handlungsplanung zu ermöglichen
  7. Videofeedback, Praxisbeispiele & Fallsupervision
    • Videobasierte Analyse von Bewegungs- und Gangstrategien
    • gemeinsame Ableitung der nächsten Therapieziele und -schritte
    • interaktive Fallsupervision (Kinder mit ICP, Ataxie, spastischer Parese, SHT)

Zielgruppe

Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, die interdisziplinär therapieren und ihr Repertoire im Bereich der neuroorthopädischen Therapie mit Kindern erweitern möchten.

Voraussetzung

Eine abgeschlossene Ausbildung oder Studium zum Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Logopäden

Hinweise/Kursgebühren

  • Dauer: 2,5 Tage und 25 Fortbildungspunkte
  • Kosten: 455,00 €